Die Wohnung ist still, niemand meldet sich, das letzte bedeutende Gespräch ist Tage oder Wochen her, es fühlt sich an, als würde sich niemand mehr für einen interessieren. Solche Situationen beschreiben Menschen, die zu den Angeboten unserer sieben Fachverbände*1 kommen und Kontakt suchen, immer wieder.
In solchen Augenblicken wird Einsamkeit nicht nur greifbar, sondern legt sich wie eine schwere Last auf die Schultern, die alles unter sich zu begraben scheint. Zwei Aspekte machen diese Situationen besonders herausfordernd:
- Häufig stellt sich dieses Gefühl zu einer Uhrzeit ein, an der die meisten Menschen mit Arbeit, Kindererziehung oder anderen Aufgaben befasst und daher nicht leicht erreichbar sind.
- Durch die emotionale und psychische Belastung fällt es den Betroffenen schwer, aktiv zu werden. Dazu kommt teilweise eingeschränkte Mobilität.

Fast noch wichtiger: Laut der Technikerkrankenkasse wollen sechs von zehn Menschen, die sich von Einsamkeit betroffen fühlen, andere Menschen nicht damit belasten.
Trotz dieser Herausforderungen gibt es Angebote, die auch bei einem akuten Gefühl der Einsamkeit helfen können. Und zwar zu Hause, niedrigschwellig, kostenlos und anonym.
Drei telefonische Angebote gegen Einsamkeit
Das Plaudernetz der Malteser

Der Slogan bringt auf den Punk, worum es hier geht: „Gespräche verbinden. Dein Plaudernetz.“ Bei diesem kostenlosen Gesprächsangebot der Malteser, einem unserer sieben Fachverbände im Projekt, können Menschen anonym mit ehrenamtlichen Plauderpartnern und Plauderparnterinnen sprechen.
Die Themen bestimmen die Anrufenden selbst, die Hotline ist von 10:00 bis 22:00 Uhr unter der Nummer 0800 330 1111 erreichbar.
Menschen, die sich einsam fühlen, können hier anonym, kostenlos und ohne jede Verbindlichkeit oder Erwartungsdruck ins Gespräch gehen und finden ein offenes Ohr für ihr Anliegen.
Wichtig: Das Plaudernetz ist kein therapeutisches Angebot – das gilt für alle Angebote auf unserer Liste – und keine dauerhafte Lösung. Es gibt beispielsweise keine Garantie dafür, dass man bei einem zweiten Anruf wieder die gleiche Gesprächspartnerin oder den gleichen Gesprächspartner bekommt wie beim ersten Anruf.
Wer jedoch akuten Gesprächsbedarf hat, wird beim Plaudernetz fündig.
Silbernetz – Das Netzwerk gegen Einsamkeit im Alter

Das Silbernetz ähnelt von Aufbau und Angebot her dem Plaudernetz, weist jedoch zwei wichtige Unterschiede auf:
- Das Silbernetz richtet sich an ältere Menschen, die sich einsam fühlen oder sich austauschen wollen. Die Themen, über die in den Telefonaten gesprochen werden können, sind zwar auch hier völlig offen, doch alle ehrenamtlichen Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner sind für den besondern Kontext und die Bedarfe der älteren Anrufenden sensibilisiert.
- Hier sind auch so genannte Silbernetz-Freundschaften möglich. Statt der Hotline, bei der die Telefonate einmalig sind und sich die Vermittlung der Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner nach Verfügbarkeit richtet, handelt es sich hier um feste wöchentliche Telefonkontakte. Ehrenamtliche und einsame ältere Menschen vereinbaren einen Tag pro Woche, an dem sie sich bis zu einer Stunde lang telefonisch austauschen. Auch diese Gespräche finden anonym statt, es muss also niemand private Details von sich preisgeben.
Wer sich dafür interessiert, erreicht das Silbernetz täglich von 08:00 bis 22.00 Uhr unter 0800 4 70 80 90.
Sowohl das Plaudernetz als auch das Silbernetz verweisen auch auf Präsenzangebote in der Nähe der Anrufenden und können daher, neben dem offenen Ohr, eine erste Anlaufstelle für Informationen für weiterführende Schritte für die Zeit nach dem aktuellen Einsamkeitsgefühl sein.
Bei Anruf Kultur

Das dritte Angebot auf unserer Liste ist keine klassische Hotline und bietet auch keine Gespräche an. Dafür bringt es Kultur und Museumsführungen direkt in das eigene Wohnzimmer – und zwar telefonisch!
„Bei Anruf Kultur“ tut genau das, was der Name ausdrückt: Wer sich kostenlos für eine der telefonisch übertragenen Museumsführungen anmeldet, kann sich auf ein außergewöhnliches Erlebnis freuen.
Auch wenn es zunächst ungewohnt sein mag, können telefonische Museumsführungen, Rückfragen sind im Rahmen der Führung telefonisch möglich, spannend, sehr interessant und unterhaltsam sein.

Aktuell nehmen bundesweit über 125 Museen und Kulturorte an dem vom Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg e.V. (BSVH) und grauwert, Büro für Inklusion & demografiefeste Lösungen in Hamburg initiierten Projekt teil.
Wer sich für telefonische Museums- oder Kulturführungen interessiert, kann das Programm über den Newsletter, postalisch oder telefonisch unter 040 209 404 69 abrufen und sich anmelden.
Unser Tipp: „Bei Anruf Kultur“ lässt sich wunderbar als Anlass nutzen, um Bekannte oder Freunde einzuladen und eine Führung gemeinsam am Telefon mitzuerleben. Solche Formate sind auch für Vereine, Stadtteilzentren, Mehrgenerationenhäuser oder Wohneinrichtungen denkbar. So kann aus dem telefonischen Angebot ein Anlass zur Begegnung werden.
Wie die Malteser und das Silbernetz freut sich auch „Bei Anruf Kultur“ über Unterstützung durch Spenden.
Telefonische Angebote als Inspiration nutzen
Die drei genannten Telefonangebote können bei akuter Einsamkeit schnell und unkomplizierte Hilfe bieten. Sie können und sollte jedoch auch Vorbildcharakter haben und ehren- und hauptamtlich aktive Menschen, die sich gegen Einsamkeit einsetzen, inspirieren.
Denn auch lokale Vereine, ehrenamtliche Gruppen oder anderen Dienste und Initiativen können telefonische Gesprächsangebote zu einem Teil ihres Engagements machen.
In Zeiten von Online-Angeboten, die zweifellos ihre Berechtigung haben, wird das Telefon als Kontakt- und Kommunikationskanal oft vergessen.
Da es jedoch fast allen Menschen relativ unkompliziert und einfach zur Verfügung steht, sollte es bei Angeboten gegen Einsamkeit stärker mitgedacht und eingebunden werden.
Denn auch wenn es „nur“ telefonisch stattfindet: Bei einem Gespräch mit einem Menschen, der wirklich zuhört, sich Zeit nimmt und interessiert ist, weicht Einsamkeit schnell dem Austausch und der menschlichen Verbindung.

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