Besuch per Telefon

Der „Besuch“ kommt per Telefon sonntags um eins

Malteser-Paderborn. Herr Anhalt* ist seit einigen Jahren verwitwet. Seine Frau fehlt ihm unbeschreiblich. Zeitweilig fühlt er sich verlassen und sehr einsam. Mit seinen 93 Jahren sei er geistig „topfit“, wie der Senior wahrlich stolz beim Telefonat mit „seinem“ Telefonpartner vom Malteser Hilfsdienst in Paderborn betont. Jeden Sonntag um 13 Uhr beginnt der Telefonbesuch bei Herrn Anhalt.

Dann erkundigt sich Herr Walter*, sein „Telefonbesucher“, am anderen Ende der Telefonleitung nach dessen Befinden.

Wer meint, einem unbekannten Gesprächspartner verweigere man eine Diskussion, wird eines Besseren belehrt. Gerade Mitmenschen, die einem nicht gegenübersitzen, erzählt man nach recht kurzem und freundlichem Herantasten Begebenheiten, die man sonst einem persönlich Anwesenden nicht unbedingt anvertrauen würde. Herr Anhalt teilte bereits zu Beginn des ersten Anrufes mit, dass er allein sei und sich eine neue Partnerin wünsche. Bei dieser speziellen Anfrage sind wir Malteser nachvollziehbar außerstande, Abhilfe zu schaffen. Als kleiner Aufheller im Alltag schenkt unser Mitarbeiter Herrn Anhalt aber jede Woche bis zu einer Stunde Zeit, die er nach seinen Vorstellungen mit Themen füllen kann. Erinnerungen an sein Berufsleben oder sein Hobby, das Fußballspiel, mögen Beispiele für Konversationsinhalte sein. Über alltägliche, praktische Belange bis hin zu tiefen Sinnfragen tauscht sich Herr Anhalt mit Freude aus. Herr Walter selbst ist inzwischen von der Begeisterung zum Fußball angesteckt worden. Vor seinen Telefonaten informiert er sich über Neuigkeiten zum Lieblingsverein von Herrn Anhalt.

Dieser Dienst möchte für allein lebende Menschen ein niederschwelliges Angebot sein, den Kontakt zu Mitmenschen nicht zu verlieren. Gerade den Mitbürgerinnen und Mitbürgern mit eingeschränkter Mobilität kann dadurch ein wenig Fürsorge zuteil werden. Bei Wesensveränderung verständigen wir auf Wunsch die nahen Angehörigen. Die Verbindung, wenn auch nur durch ein Telefonkabel, ruft wahrscheinlich viele Emotionen auf beiden Seiten hervor. Somit kann und darf der Gedankenaustausch miteinander für alle bereichernd und wertvoll werden.
Mit dem Telefonbesuchsdienst reichen wir den Interessenten die Hand, um ein Weilchen aus der Traurigkeit bedingt durch Eintönigkeit im Alltagsleben zu entfliehen.

Monika Klein-Franze, Malteser Hilfsdienst Paderborn

(* Namen geändert)

Bevor Helferinnen oder Helfer den Telefonbesuchsdienst beginnen können, nehmen sie an einer achtstündigen Schulung teil, um für diese Tätigkeit fachlich vorbereitet und sensibilisiert zu werden:
_    Der Telefonbesuchsdienst als Hilfeleistung und meine Motivation zu helfen
_    Sprechen mit älteren Menschen
_    Telefongespräche gestalten
_    Telefongespräche beenden
_    Nähe und Distanz beim Telefonbesuch.
Anhand von Fallbeispielen zu unterschiedlichen Ausgangssituationen werden Telefonate nachgespielt.  Dazu gehören biographische Daten über die „Besuchten“ (Die Projektleitung hält beim Erstkontakt anhand eines Fragebogens Wichtiges fest.) aber natürlich auch Wissen über die Zeitgeschichte (z.B. von der Wiedervereinigung zurück bis zum 2. Weltkrieg).
Im Laufe der Zeit bietet der Malteser Hilfsdienst dann noch weitere Kurse an, insbesondere die 16stündige Malteser-Grundausbildung zu den Themen: „Umgang mit kranken Menschen sowie Menschen mit einer Behinderung“, einen Erste-Hilfe-Kursus, eine 8stündige Fortbildung zum Thema „Umgang mit Menschen mit Demenz“ und eine 4stündige Präventionsschulung ge­gen sexualisierte Gewalt.

Herr Anhalt aus unserem Beispiel hat sich beim Malteser Hilfsdienst nach einer Pressemitteilung gemeldet und um den „Telefonbesuch“ gebeten. Der Kontakt zwischen ihm und Herrn Walter wird von der Projektleitung hergestellt. Ähnlich wie bei der Telefonseelsorge legen wir Wert darauf, dass die ehrenamtlich tätigen Telefonbesucher nicht privat kontaktiert werden können. Sie rufen darum mit unterdrückter Telefonnummer an. Das dient der Privatsphäre der Helfer. So wird vorgebeugt, dass die „Besuchten“ bei Redebedarf zu beliebiger Uhrzeit die Ehrenamtlichen zurückrufen und sie vielleicht in Verlegenheit bringen könnten.

Literaturempfehlungen

Für Gruppen von Ehrenamtlichen, die sich um einsame und isolierte Menschen kümmern und Lesestoff wünschen, hat das Institut für Religionspädagogik und Medienarbeit im Erzbistum Paderborn (IRuM) eine Medienkiste zusammengestellt. Die Kiste mit etwa 30 Büchern und Filmen kann von der Gruppe für drei Monate ausgeliehen werden. In der Kiste finden sich neben Fach- und Sachbüchern zum Thema auch Kinderbücher, Kindersach- und Bilderbücher, Romane und Biographien. Weitere Informationen erhalten Sie von Werner Stock.

Einige Bücher sind hier vorgestellt.

Die sieben Caritas-Fachverbände gegen Einsamkeit

Logo der Caritas-Konferenzen

Logo von IN VIA

Logo des Kreuzbund

Logo der Malteser

Logo des Sozialdienst katholischer Frauen

Logo des Sozialdienst Katholischer Männer

Logo der Vinzenz- Konferenzen

Kath. Verbände gestalten Kirche und Gesellschaft

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