Einsamkeit trifft Menschen mit Suchterkrankungen durch Stigmatisierung, Rückzug und zerbrochene Beziehungen besonders hart. Wer den Weg zurück ins Leben sucht, braucht Unterstützung und Gemeinschaft.
Genau hier setzt der Kreuzbund Diözesanverband Paderborn an: Rund 60 Selbsthilfegruppen und 16 Gesprächskreise bieten Woche für Woche einen geschützten Raum für etwa 1.000 Menschen. Das Angebot steht allen Interessierten offen und wird durch ehrenamtliches Engagement ermöglicht.
„Die Tür steht immer offen“, sagt Kristina Imiolczyk, Diözesanvorsitzende. „Und das ist für viele der erste Schritt raus aus der Isolation.“
Mehr als Selbsthilfe: Ein Ort zum Ankommen
Der Bedarf für die Angebote des Kreuzbundes ist ungebrochen. Gegründet 1904 im Erzbistum Paderborn, hat er sich vom Abstinenzverein zur Selbsthilfe- und Helfergemeinschaft für suchtkranke Menschen und Angehörige entwickelt. Heute arbeitet er eng mit der Caritas zusammen.
„Der Kreuzbund möchte nicht die Aufgaben der professionellen Hilfe übernehmen, sondern ergänzen“, betont Isabel Deimeke, Referentin für den Bereich Sucht im Diözesan-Caritasverband. „Selbsthilfe wird oft unterschätzt – dabei ist sie ein entscheidender Baustein.“
“Jeder Mensch ist es wert, dass man ihm die Hand reicht”
Dieser Satz von Kristina Imiolczyk fasst zusammen, was den Kreuzbund ausmacht: Halt geben und Gemeinschaft anbieten. Die Gruppen sind mehr als Treffpunkte. Für viele Menschen sie sind Fixpunkte im Alltag, die Struktur geben und einen geschützten Raum bieten. Hier können Menschen wieder lernen, soziale Kontakte zu knüpfen, ohne Suchtmittel, ohne Druck.
Auch Angehörige finden hier Unterstützung. „Der Leidensdruck von Angehörigen ist enorm“, sagt Kristina Imiolczyk. Deshalb haben die Angehörigen einen festen Platz im Kreuzbund, es gibt sowohl Gruppen ausschließlich für sie als auch gemischte Angebote, die Perspektivwechsel ermöglichen.
Smily Kids: Für die Kleinsten stark

Das Projekt „Smily Kids“ haben wir in unserem Artikel „Smily Kides – lächelnde Kinder trotz Sucht und Sorgen“ bereist vorgestellt. Es bietet Kindern und Eltern aus suchtbelasteten Familien einen sicheren Ort, um Sorgen zu teilen und einfach Kind zu sein.
Für dieses Engagement wurde Christa Gattwinkel, die “Smily Kids” vor fast 30 Jahren ins Leben gerufen hat, im Juli 2025 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Ein wichtiges Signal und verdiente Anerkennung für eine Arbeit, die Einsamkeit für Kinder mildert.
„Positiv wäre, wenn dieses Angebot noch weiter ausgebaut und gestärkt werden könnte – vielleicht auch in Kooperation mit den Suchtberatungsstellen “, sagt Isabel Deimeke.
Der Blick nach vorne
„Viele wollen etwas zurückgeben, weil ihnen selbst geholfen wurde“, fasst Kristina Imiolczyk die Motivation der im Kreuzbund Aktiven zusammen. Seminare werden gut besucht, doch die dauerhafte Bindung wird schwieriger. „Wir brauchen flexible Formen, um auch Jüngere einzubinden“, so Isabel Deimeke.
Was gibt das Engagement zurück? „Es macht Freude, Sinn und man sieht, dass die eigene Arbeit wirkt“, sagt Kristina Imiolczyk. „Das ist ein gutes Gefühl.“
Doch bei aller Leidenschaft und Einsatzbereitschaft gibt es auch Herausforderungen. Eine davon ist die Finanzierung. „Förderungen werden kritischer geprüft, erste Kürzungen sind spürbar“, sagt Isabel Deimeke.
Gleichzeitig will der Kreuzbund moderner werden, ohne seine Wurzeln zu verlieren: digitale Angebote, eine offene Sprache und mehr Vielfalt sind einige Aspekte, die bei dieser Veränderung eine Rolle spielen.
„Die Zeiten haben sich geändert und wir wollen uns den heutigen Bedürfnissen anpassen“, sagt Kristina Imiolczyk.
„Doch unser Kern bleibt: Gemeinschaft, Halt, Leben ohne Suchtmittel.“
Damit ist auch klar: Trotz allen Herausforderungen und Veränderungen ist der Kreuzbund ein Ort, der Halt und Gemeinschaft bietet – heute und morgen. Damit Einsamkeit bei Menschen und Familien mit Suchtbelastung keine Chance hat.
Mehr Informationen zur Arbeit des Kreuzbundes Paderborn finden Sie auf der Website über den folgenden Link: www.kreuzbund-dv-pb.de

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