Ordnungsamtliche Bestattungen erfolgen dann, wenn ein Mensch stirbt und niemand da ist, der sich kümmert. Keine Angehörigen, keine erreichbaren Kontakte oder niemand, der die Verantwortung übernimmt. In diesen Fällen organisiert die Stadt die Beisetzung.
Was nüchtern klingt, ist oft ein Ausdruck von Einsamkeit. Die Zahlen in Herne sprechen eine deutliche Sprache: 2022 gab es 28 ordnungsamtliche Bestattungen, die von den Herner Vinzenz-Konferenzen begleitet wurden. Im ersten Halbjahr 2026 waren es bereits 26. Tendenz steigend.
Damit niemand allein geht
Seit rund 18 Jahren begleiten Ehrenamtliche der Vinzenz-Konferenz St. Bonifatius diese Abschiede. Dieser ehrenamtlichen Tätigkeit haben sich die Wanne-Eickeler Konferenzen vor langer Zeit angeschlossen. Ihr Ausgangspunkt war einfach und klar: Kein Mensch soll anonym oder ohne Würde beerdigt werden.
Die Vinzenz-Konferenzen sind hier völlig ehrenamtlich organisiert. Ihre Mitglieder übernehmen, was sonst fehlen würde: Präsenz. Aufmerksamkeit. Ein Moment des Innehaltens.
Die Beisetzungen selbst sind schlicht: Etwa 20 Minuten dauert eine solche Zeremonie, sie findet ohne öffentliche Ankündigung statt. Namen werden in der Regel nicht veröffentlicht. Manchmal meldet sich das Pfarrbüro, manchmal kommt der Kontakt über kirchliche Strukturen zustande.
Und doch entstehen auch hier Begegnungen.
Unerwartete Momente und Begegnungen

Es kommt vor, dass sich kurzfristig doch noch Menschen melden. Nachbar*innen, entfernte Angehörige, Bekannte. Manchmal erfahren sie erst spät vom Tod und sind überrascht, dass nun eine ordnungsamtliche Bestattung ansteht.
Diese zufälligen Begegnungen zeigen: Einsamkeit ist nicht immer klar oder eindeutig. Kontakte können abreißen, Beziehungen unklar bleiben, Lebenswege sich verlieren.
Heinrich Stolze, Vorsitzender der Vinzenz-Konferenz St. Bonifatius, hat schon viele solcher Begegnungen erlebt und selbst einige Bestattungen geleitet:
„Manchmal kommen da interessante Gespräche zustande. Und alle sind dankbar, dass wir auf dem letzten Weg begleiten, dass jemand da ist.“
Mehr als eine Formalität
Organisiert wird vieles in Zusammenarbeit mit der Stadt, den Bestattungsunternehmen und den Kirchengemeinden. In Herne finden ordnungsamtliche Bestattungen ausschließlich auf dem Südfriedhof statt.
Hinter jedem Termin steht eine eigene Geschichte. Manche bleiben lückenhaft. Andere erzählen von Jahren, in denen niemand nachgefragt hat. Von Menschen, die über lange Zeit kaum gesehen wurden.
Die Ehrenamtlichen wissen das. Und sie setzen einen bewussten Gegenpunkt.
„Niemand soll einfach verscharrt werden“ – dieser Satz beschreibt, worum es geht.
Die Ehrenamtlichen der Herner Vinzenz-Konferenzen nehmen sich die Zeit, weil für sie Menschenwürde und Respekt bis zuletzt wichtig sind. Einsamkeit soll keinen Raum haben – auch nicht auf dem letzten Weg.
Deshalb ist für Heinrich Stolze klar:
“Wir machen das, solange wir können.”
Weitere ehrenamtliche Unterstützung ist dabei natürlich herzlich willkommen.

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