Welche Rolle spielen Freundschaft und Engagement für die Lebensqualität und gegen Einsamkeit?
Diese und viele weitere Fragen beantworten Clara und Theresia* im Gespräch mit Marie-Luise Tigges, Referentin für die Offene Soziale Altenarbeit und den SkF / SKM beim Caritasverband für das Erzbistum Paderborn. Was das Gespräch so wertvoll macht: Clara ist 100 Jahre alt, Theresia 71. Sie verbindet eine 30-jährige Freundschaft.
Im Gespräch geht es um viele wichtige Themen aus dem Leben der beiden, unter anderem:
- Engagement und Aktivität
- Freundschaft und soziale Beziehungen
- Einsamkeit und den Umgang mit Rückschlägen
Ein spannendes und wertvolles Gespräch. Danke an Marie-Luise Tigges für die Moderation und an Clara und Theresia für die Einblicke.
*Die Namen wurden auf Wunsch der beiden Damen von der Redaktion geändert.
Die Transkription des Interviews
Eine ungleiche Freundschaft??? Einblicke in mehr als 100 Jahre Lebenserfahrung
Welche Rolle spielen Freundschaft und Engagement für die Lebensqualität und gegen Einsamkeit?
Diese und viele weitere Fragen beantworten Clara und Theresia* im Gespräch mit Marie-Luise Tigges, Referentin für die Offene Soziale Altenarbeit und den SkF / SKM beim Caritasverband für das Erzbistum Paderborn. Was das Gespräch so wertvoll macht: Clara ist 100 Jahre alt, Theresia 71. Sie verbindet eine 30-jährige Freundschaft.
Im Gespräch geht es um viele wichtige Themen aus dem Leben der beiden, unter anderem:
- Engagement und Aktivität
- Freundschaft und soziale Beziehungen
- Einsamkeit und den Umgang mit Rückschlägen
Ein spannendes und wertvolles Gespräch. Danke an Marie-Luise Tigges für die Moderation und an Clara und Theresia für die Einblicke.
*Die Namen wurden auf Wunsch der beiden Damen von der Redaktion geändert.
Die Transkription des Interviews
Marie-Luise
Mein Name ist Marie-Luise Tigges. Ich bin vom Diözesan-Caritasverband in Paderborn und arbeite da in der Offenen Sozialen Altenarbeit. Und in diesem Zusammenhang haben wir in diesem Jahr ein Caritas-Jahresthema, und das heißt: Jung und Alt = Zusammenhalt.
Marie-Luise
Da habe ich ehrlich gesagt gar nicht an meine beiden jetzigen Gäste hier so gedacht, aber das wird spannend. Und zwar bin ich hier mit Theresia und mit Clara, und wer wer ist, das werdet ihr gleich vielleicht selber sagen. Was ich vielleicht noch mal so vorweg sage, ist, ich habe das Ganze mal hier als eine ungleiche Freundschaft??? betitelt, und ich habe es gerade schon den beiden gesagt und ich kriegte gerade schon große Widerstände.
Marie-Luise
Vielleicht sagt ihr mal kurz, wer ihr seid und wie alt ihr seid. Clara, möchtest du mal anfangen?
Clara
Ja, man gibt mir natürlich den Vortritt, weil ich nämlich ganze 100 Jahre alt bin. Im November bin ich 100 Jahre alt geworden. Meine Freundin Theresia, ihr könnt es ja mal raten, aber das ratet ihr nicht, aber sie ist 71 Jahre und wir merken das überhaupt gar nicht, dass dieser Unterschied da ist.
Also ich von mir aus kann das sagen, ich merke überhaupt gar keinen Unterschied. Und wenn ich in Nöten bin, dann rufe ich tatsächlich die Theresia an. Und wir unterhalten uns. Und wenn es gerade nicht passt, dann meldet sie sich eben später. Und das ist immer eine große Hilfe.
Marie-Luise
Okay. Theresia, wie siehst du das denn? Du hast vorhin auch vehement gesagt, das ist keine ungleiche Freundschaft. Wieso denn nicht?
Theresia
Ja, genau, weil sich für mich dieses Ungleiche immer nur auf das Nicht-Zusammenpassen reduziert. Aber wir sind, diese Freundschaft ist nicht ungleich, sondern gleich. Für mich. Also deshalb (passt) der Titel Ungleiche Freundschaft nicht. Da kann ich mich nicht mit anfreunden.
Marie-Luise
Wollen wir mal ganz vorne anfangen? Wie habt ihr euch denn eigentlich kennengelernt? Theresa, willst du mal erklären?
Theresia
Ja. Und zwar haben wir vor, das sind jetzt genau 30 Jahre her, dass wir im Herbst, also im Herbst sind das 30 Jahre, wir haben ein Tanzseminar besucht. Und zwar ging es um Ausdruckstanz. Das fand in Paderborn statt. Und da sind wir das erste Mal aufeinander getroffen, die Clara und ich. Das war ein Seminar.
Theresia
Es waren ausschließlich Frauen, von Frauen besucht oder die sich angemeldet hatten. Und schon in der Vorstellungsrunde schaute ich auf Clara und dachte nur so: Ja, das scheint so die Älteste von den Teilnehmerinnen zu sein.
Marie-Luise
Das war das Erste, was dir aufgefallen ist?
Theresia
Ja, weil, also das ist so das erste Ankommen und bevor sich jemand kennt, ja. Dann gab es auch eine Vorstellungsrunde und erstaunlicherweise sagte Clara ihr Alter auch nicht.
Clara
Aha.
Theresia
Und das, da dachte ich so, wieso sagt sie das nicht? Wir haben alle also unser Alter erzählt und unseren Familienstand. Und Clara sagte nur, dass sie mit Tanzen zu tun hatte, nannte ihren Namen und ja, und den Rest werdet ihr schon sehen. Ja. Und so war der Start.
Marie-Luise
Also das heißt, sie hat dich am Anfang schon ein bisschen neugierig gemacht?
Theresia
Auf jeden Fall.
Marie-Luise
Okay.
Theresia
Auf jeden Fall. Ich war ganz enorm neugierig auf Clara und Clara vermittelte mir schon einen Eindruck, Mensch, von der kannst du noch was lernen. Bezog sich aber damals nur auf das Tanzen. Das heißt, Ausdruckstanz ist ja eine andere Art Tanzen wie jetzt ein Paartanz.
Marie-Luise
Ja. Und Clara, wie ist denn die Theresia dir aufgefallen?
Clara
Ja, wenn ich ehrlich bin, eigentlich gar nicht so sehr. Und im Grunde, ich weiß gar nicht mehr, wie lange die ganze Sache gedauert hat.
Theresia
Ich glaube, 7 oder 8 Monate waren das.
Marie-Luise
Ach wirklich?
Theresia
So lange? Ja, so lange. Und es gab immer mal wieder ein Wochenende im Laufe. Und das ging bis, ich glaube, August oder so des nächsten Jahres.
Marie-Luise
Ah, okay.
Clara
Ja, ich bin auch ein bisschen später zu der Gruppe gestoßen. Und nein, also wenn ich ehrlich sein soll, Theresia ist mir nicht sofort aufgefallen. Eigentlich genau genommen erst bei der Verabschiedung. Und da standen wir uns gegenüber und da sagte sie, an dir habe ich immer so einen Spaß gehabt. Du (Theresia) hast so lustige Augen.
Theresia
Da kann ich mich noch total gut dran erinnern. Das hat eigentlich noch keiner zu mir gesagt, dachte ich bis dahin. Dann fiel mir aber ein, ich erzähl das mal gerade, das mit den lustigen Augen, das hatte mein Mann zu mir gesagt, als wir uns kennenlernten. Und da gab es auf einmal was Gleiches für uns.
Marie-Luise
Ach, wie schön. Ich meine, wer will nicht hören, dass er lustige Augen hat? Das ist ja irgendwie ein ganz schönes Kompliment auch. Und wie ging es dann mit euch weiter?
Theresia
Ja, wie ging es mit uns weiter? Wir hatten die Wochenenden, dann haben wir uns immer getroffen, wenn dieses Seminar wieder stattfand.
Marie-Luise
Ja, wir gehen jetzt mal ans Ende des Seminars.
Clara
Ja, erst offiziell und dann war ja irgendwann Schluss. War auch eine kleine Abschlussprüfung.
Theresia
Ja.
Clara
Und wir haben da auch etwas gefeiert und das war alles sehr fröhlich.
Marie-Luise
Ja.
Clara
Und aber wir waren eigentlich eine nette, eine ganz nette Gruppe, nicht sehr eng, aber also irgendwie hingen wir aneinander, nicht? Und dann haben wir uns des Öfteren hin und her getroffen und da stellte sich das so langsam heraus mit uns, also dass wir einen besonderen Draht zueinander hatten. Aber dann haben wir auch mal telefoniert und dann wurde das immer enger.
Theresia
Wir haben telefoniert und was so ausschlaggebend war, glaube ich, es wurde mir angeboten, eine Woche meditativer Tanz auf der Insel Wangerooge. Und da hatten wir uns angemeldet und auch noch 2 oder 3 andere aus diesem Tanzseminar. Okay. Und da haben wir eine Woche miteinander verbracht. Und ja, irgendwie erfuhren wir mehr übereinander. Es wurden private Dinge ausgetauscht, die vorher nicht so zur Sprache kamen.
Marie-Luise
Ja.
Theresia
Das war einfach schön. Und man fühlte sich aufgehoben. Ich fühlte mich aufgehoben.
Clara
Ja, wir hatten also wirklich einen ganz engen Draht miteinander. Und dann riss die Verbindung auch einfach nicht mehr ab.
Theresia
Ja.
Clara
Dann haben wir öfter telefoniert, damals auch mal besucht.
Theresia
Ja.
Clara
Ja, genau kann ich das gar nicht mehr sagen. Aber es wurde eigentlich immer intensiver. Und dass wir uns ja mehr anvertrauten oder manchmal auch um Rat gefragt haben. Und von Altersunterschied, denn der besteht nun wirklich. Aber wir haben das nie gespürt eigentlich.
Marie-Luise
Nein. Aber das heißt tatsächlich, Clara, deine Kinder sind ungefähr in Theresias Alter. So, das ist ja so, aber das habt ihr beiden gar nicht wahrgenommen, dass das Alter an der Stelle oder der Altersunterschied, so muss man es ja sagen, sich ja umzuschreiben.
Clara
Das hat uns überhaupt nicht gestört.
Marie-Luise
Das ist ja interessant.
Clara
Ich könnte jetzt gar nicht mehr sagen, wann sich das rausgestellt hat. Aber es hat uns überhaupt gar nicht gestört.
Theresia
Nein, da war auch nie die Sprache dann drüber. Wir haben uns wirklich gut verstanden. Wir waren so auf einer Wellenlänge. Ja, mit unseren Ansichten, mit unseren Fragen aneinander, mit Parallelen in unseren Familien. Es gab viel, was identisch war, und da kam das Alter irgendwie nicht drin vor.
Marie-Luise
Okay. Und Clara, wenn ich dich jetzt so frage, was schätzt du besonders an Theresia?
Clara
Ja, wir empfinden so viel gleich. Und schließlich vertrauten wir uns gegenseitig auch, dass wir offener wurden und haben uns Dinge mitgeteilt, die uns sehr bewegen und teilweise vielleicht auch irgendwie mit was nicht fertig wurden. Und es war einfach ein ganz großes Verständnis zwischen uns da.
Marie-Luise
Sehr schön. Also das heißt, man kann es gar nicht so ganz genau fassen, was es ist, aber es ist irgendwie eine Wellenlänge und ein Verständnis miteinander, füreinander.
Clara
Ja, und haben wir uns denn jemals über unser Alter irgendwann unterhalten?
Theresia
Nein, haben wir nie. Haben wir nie.
Marie-Luise
Das ist ja auch interessant.
Theresia
Ich fühlte mich irgendwie wie so ein Stück einer Seelenverwandte.
Clara
Ah. Ja, genau.
Theresia
So kam ich mir vor. Ihr Ratschlag oder Ihre Vorgehensweise in verschiedenen Dingen waren mir ganz wichtig. Nicht nur aufgrund dieser Lebenserfahrung, sondern ich hätte wahrscheinlich genauso entschieden. Also ich fühlte das ähnlich wie sie. Und da war Alter einfach, das war unabhängig vom Alter. Das war einfach, ich glaube, ein Typ Mensch, der zu mir passen würde, wenn ich irgendwas besprechen möchte oder einen Rat brauche. Oder ja.
Marie-Luise
Ja. Das klingt toll.
Clara
Wir haben uns dann auch gegenseitig besucht und Theresia war, was das Fahren angeht, auf ihren Mann angewiesen. Der kam also mit und mit dem hatte ich auch keine Schwierigkeiten. Ich glaube, er mit mir auch nicht. Und ja, es war immer einfach ganz locker zwischen uns.
Theresia
Ja, stimmt.
Clara
Ja, also sehr offen und ja, einfach sehr offen.
Marie-Luise
Ja, manchmal braucht man auch nicht mehr Worte. Ich glaube, es wird schon sehr deutlich, was ihr beiden so meint, was eure Freundschaft so ausmacht. Und das ist auch, also ich merke einfach, das ist so was unausgesprochen Verbindendes. Und das finde ich irgendwie, das merkt man gerade so, ich würde gerne noch mal nach außen gehen.
Marie-Luise
Ich weiß ja, dass ihr beiden so rund 60 Kilometer auseinander wohnt. Clara, du hast vorhin schon gesagt, dass Theresia manchmal mit ihrem Mann dann auch hierhin zu Besuch kommt. Aber wie ist euer Kontakt? Also telefoniert ihr viel? Trefft ihr euch viel? Und was heißt viel? Und braucht es viel? Ist es oft? Ist es weniger oft? Also wie würdet ihr das beschreiben?
Clara
Also ich habe oft genug Schwierigkeiten. Theresia ist diejenige, mit der ich am offensten spreche und dass mir das ganz wichtig ist. Ja, überhaupt, dass sie da ist und dass ich, wenn ich also irgendwie in Nöten bin, und das bin ich öfter, dass mir das nur unwahrscheinliche und ich möchte sagen, die Hilfe ist und was mir gut tut und was ich brauche.
Marie-Luise
Das klingt aber wirklich sehr, sehr schön.
Clara
Also das ist wirklich wahr.
Theresia
Es macht mich jetzt ganz gerührt, das aus deinem Mund zu hören. Ich meine, das …
Clara
Also ich habe 2 Freundinnen, die sind, also da ist der Altersunterschied jedes Mal 25 bis 30 Jahre. Und sowohl bei Theresia als auch bei der anderen Freundin, ich spüre den Unterschied überhaupt gar nicht.
Marie-Luise
Das heißt aber auch, dass du jederzeit das Gefühl hast, wenn du es brauchst und willst, kannst du dich jederzeit bei Theresia melden.
Clara
Ja, und wenn es gerade nicht passt, dann verabreden wir uns später.
Marie-Luise
Also es gibt bestimmte Situationen im Leben, die dir vielleicht auch Kopfzerbrechen machen.
Clara
Oh ja.
Marie-Luise
So, und da spätestens sagst du, Oh, jetzt ist aber mal ein Kontakt fällig, ich brauche eine Meinung dazu, oder ich muss es loswerden, oder wie auch immer.
Clara
Also ich habe Zeit meines Lebens viele Freundschaften gehabt. Also ich war nie ohne, auch wie man so sagt, gute Freundinnen. Und meine Vertrauteste, die ist leider schon, da waren wir 40 Jahre alt, und da ist die gestorben und die fehlt mir auch immer noch. Und aber Vertrauteste, das ist also wirklich, wirklich, das bist du wirklich.
Theresia
Dankeschön. Ja. Das macht mich jetzt so ein bisschen betroffen. Und irgendwo war das klar für mich. Aber wenn du das so aussprichst, das hat noch mal einen ganz anderen Stellenwert für mich. Ja, also ich bin da ganz gerührt drüber. Und ja, ich kann das eigentlich auch so zurückgeben an dich.
Clara
Denn also ich habe wirklich keinen, dem ich so vertraue wie dir. Das ist wirklich wahr. Und es ist ja schon, na ja gut, dass ich in meinem Alter nicht mehr so viele Freundschaften habe. Aber das ist sowieso ohne diese Überlegung, ist diese Freundschaft schon etwas sehr Besonderes, wofür ich auch sehr, sehr dankbar bin. Wie schön. Ich wüsste gern irgendwo, wo wir uns sehen könnten.
Theresia
Ehrlich.
Marie-Luise
Oh, jetzt müsste jemand sehen können, was ihr beide gerade macht. Ihr habt euch gerade beide gegenseitig die Hände gehalten. Das war richtig schön gerade zu sehen. Ich habe richtig Gänsehaut gerade.
Clara
Wir machen auch gar kein Trara darum. Das ist einfach so.
Theresia
Das ist ein Stück Normalität eigentlich zwischen uns. Wir beenden oft so ein Telefongespräch: Hoffentlich bleiben wir uns noch lange erhalten.
Marie-Luise
Aha, das ist ja auch interessant. Ja, weil ihr auch um die Besonderheit des Ganzen auch so wisst, dass es nicht so ist.
Clara
Ja, also erst wenn ich drüber nachdenke, Die ganze Sache ist so selbstverständlich, aber wenn ich drüber nachdenke, dann ist es ja schon was sehr Besonderes.
Theresia
Ja, das ist es ganz bestimmt. Für mich auch.
Marie-Luise
Ach, wie schön ist das denn eigentlich? Und Clara, du hast vorhin so gesagt, na ja, in meinem Alter hat man vielleicht auch gar nicht mehr so viele Freundschaften. Aber in deinem Alter mit 100 Jahren, ich möchte es eigentlich immer wieder betonen, weiß man aber, was Freundschaften bedeuten, weil man so viel Erfahrung gemacht hat.
Und ich finde, das gibt dem Ganzen ja auch noch mal so eine besondere Erfahrung mit auf den Weg. Freundschaft ist nicht gleich Freundschaft.
Clara
Oh nein. Es gab auch manche Enttäuschung, muss ich auch sagen. Ja.
Marie-Luise
Und umso schöner ist, wenn ihr sagt, ihr habt eine 30-jährige Freundschaft. 30 Jahre! Ja, das ist ja schon lange. Ja, ja, da kann man doch nur sagen, Clara, gut, dass du schon so alt geworden bist. Es wäre doch schade, wenn jeden Tag und jedes Jahr was fehlen würde, oder?
Theresia
Ja, das stimmt.
Marie-Luise
Theresa, was ist für dich, du hast vorhin mal so angedeutet und hast gesagt, na ja, ich kann das eigentlich nur zurückgeben. Auch für mich ist das eine wichtige eine wichtige Freundschaft, eine wichtige Person, wo ich, mit der ich einfach auch so reden kann. Kannst du so sagen, in welchen Zusammenhängen? Ganz im Groben, ich will hier keine Details wissen, aber um was geht es so?
Theresia
Ja, jetzt darüber nachzudenken, da fallen mir so viele Parallelen aus ihrem und meinem Leben ein, die wir gleich erfahren haben. Und die uns sehr bewegen und bewegten. Und da haben wir ganz viel uns austauschen können und einfach Parallelen gefunden.
Marie-Luise
Ja, wenn du jetzt mit einer Sache so unklar bist oder eine Situation beschreibst und die Clara sagt, das sehe ich ganz anders als du, ich weiß gar nicht, ob das so vorkommt oder so, ist das ist das gut? Ist das hilfreich? Passiert das überhaupt so? Wie?
Clara
Ja, doch, das passiert auch. Also das finde ich dann zwar sehr schade. Ich habe das immer gern, wenn mein Gegenüber derselben Meinung ist wie ich und das genauso empfindet. Aber entweder ist das so, oder dass es jeder anders empfindet. Oder wenn man drüber nachdenkt, Wenn ich drüber nachdenke, das ist ja, ach ja, so könnte ich es eigentlich auch sehen. Könnte schon sein.
Also es ist jedenfalls immer, auch wenn Theresia gerade nicht erreichbar ist, dann weiß ich aber, sie ist da und sie meldet sich, sobald sie Zeit hat. Also da ist eine Verlässlichkeit. Und das ist nämlich ein ganz großer Trost.
Marie-Luise
Ja. Ah ja. Ja. Also diese Beständigkeit. Ich weiß, ich kann mich verlassen.
Theresia
Ja.
Marie-Luise
Wie ist das bei dir, Theresia?
Theresia
Bei mir ist das ja, wenn ich ihre Telefonnummer im Display sehe, weiß ich, dass irgendwas anliegt und ermögliche das dann auch möglichst schnell dann zu erledigen. Ja, und ja, und ich glaube, wir können uns auch alles sagen, auch mal Dinge, die wir nicht gut finden an dem anderen.
Marie-Luise
Okay.
Theresia
Oder wir haben eine ganz andere Meinung oder würden es anders handhaben. Das können wir uns schon sagen. Und das gibt auf jeden Fall, also mir gibt das dann immer zu denken. Und das ist ein wichtiger Faktor bei Entscheidungen.
Ja, vielleicht auch aufgrund dieser Lebenserfahrung, die Clara hat. Denn sie ist ja mir um einiges voraus. Sie hat ja vieles schon mal so entschieden und die Erfahrung damit gemacht. Ja, also von daher vielleicht ist da die Meinung auch noch mal wichtig.
Marie-Luise
Auf jeden Fall. Ja, ja, das klingt irgendwie so schön mit euch. Muss ich auch mal so sagen.
Clara
Ja, das ist sicher beneidenswert.
Marie-Luise
Ja, wirklich, wirklich.
Clara
Ja, kann ich mir vorstellen.
Marie-Luise
Herrlich.
Clara
Dann genieße ich das noch mehr.
Marie-Luise
Aber sag mal, was würdet ihr beiden denn, ich weiß, das ist eine schwere Frage, aber ich stelle sie euch trotzdem. Wenn ihr jetzt mal so jüngere Leute vor Augen habt, sagen wir mal so 30-Jährige oder 40-Jährige, Und ihr beiden, durchaus auch du, Theresia, in einem fortgeschrittenen Alter, das aber im Vergleich zu Clara, bist du ein ganz junger Spund.
Also das ist ja auch irgendwie, aber ihr sagt ja, das spielt überhaupt keine Rolle, und deswegen will ich da auch gar nicht drauf rumreiten. Ich habe schon längst gemerkt, dass mein Titel, den ich hier dem Ganzen gegeben habe, ungleiche Freundschaft, ihr habt mich überzeugt, das ist es auf keinen Fall. Aber ich hatte ja auch Fragezeichen gesetzt. Aber was würdet ihr jüngeren Leuten sagen? Was, worauf ist bei einer guten Freundschaft zu achten?
Also eine gute Freundschaft braucht ja auch in irgendeiner Form eine Pflege. Aber wie die Pflege ist, könnt ihr da was zu sagen? Ich weiß, die Frage ist schwer.
Theresia
Ja, mir fällt da spontan ein, dass als du gerade sagtest, so von wegen Jüngere, das Alter, was du genannt hast, diese Jüngeren sind in dem Alter, in dem meine Kinder sich befinden. Und man denkt immer so gleich, das ist so eine Eltern-Kind-Beziehung, dass man einfach mal das Alter außen vorlässt.
Und einfach mal den Menschen sieht oder den Menschen, wie er sich, ja, wie es ihm geht, wie es ihm einfach so ein bisschen um das Leben kümmert, statt das Alter in erster Linie zu sehen. Und sich einfach mal drauf einlässt. Und vielleicht entwickelt sich ja auch bei noch Jüngeren eine Freundschaft, die mit Älteren. Einfach— und diese Offenheit sich bewahren, das wäre mir ganz wichtig. Ja.
Marie-Luise
Clara, würdest du das ähnlich sehen oder hast du da noch andere Gedanken zu?
Clara
Also ich habe da jetzt ehrlich gesagt überhaupt gar keine Lust drüber nachzudenken.
Marie-Luise
Herrlich, das ist das Recht des Alters. Super.
Clara
Ja, dass ich, also ich denke über unsere Freundschaft, also manchmal mache ich mir schon klar, und dann bin ich sehr, sehr dankbar dafür. Aber das ist so selbstverständlich, dass ich es meistens auch gar nicht als so was Besonderes ansehe. Ich lebe damit und ich kann es wirklich nur so sagen.
Marie-Luise
Okay. Auch das finde ich, ist eine Antwort, weil es, also ich höre so daraus, einfach machen, einfach sein, einfach miteinander. Sein. Oder?
Clara
Sein.
Marie-Luise
Ja, ist es das so?
Clara
Machen gar nicht. Sein.
Marie-Luise
Ja.
Clara
Es ist so.
Marie-Luise
Okay.
Theresia
Ja.
Marie-Luise
Und dann darf das auch so sein. Und dann musst du auch keine Lust haben, weiter drüber nachzudenken. Das ist für mich völlig in Ordnung. Also dann lassen wir es auch an der Stelle so, weil ich glaube, es ist sehr deutlich geworden, was ihr einander seid und was ihr euch gegenseitig bedeutet.
Und ich glaube, wenn sich das jemand Jüngeres einfach mal anhört oder durchliest oder wie auch immer, also und sich das noch mal hier und da zu Gemüte führt, ich glaube, dann sind da schon genug Antworten vorhanden. Und von daher kann ich echt nur sagen, herzlichen Dank, dass ihr beiden bereit wart, von eurer Freundschaft zu berichten, die eine Freundschaft von Gleich zu Gleich ist. So kann man es deutlich sagen.

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