Jugendliche gelten oft als bestens vernetzt. Gleichzeitig zeigen Studien, dass viele von ihnen Einsamkeit erleben. Das Malteser-Projekt „Mitmachen verbindet“ setzt deshalb auf gemeinsame Aktivitäten statt auf erhobene Zeigefinger. In Borchen entstehen bei Kochabenden, Quizrunden und Filmnächten neue Begegnungen und manchmal sogar Freundschaften. Und das bei ganz niedrigschwelligen Angeboten.
Tacos zubereiten, ein Quiz spielen oder gemeinsam einen Film schauen. Auf den ersten Blick wirken die Angebote des Malteser-Projekts „Mitmachen verbindet“ wie ganz normale Freizeitaktionen. Doch dahinter steckt mehr: Sie schaffen Räume, in denen Jugendliche andere kennenlernen, Gemeinschaft erleben und neue Kontakte knüpfen können.
Denn Einsamkeit betrifft längst nicht nur ältere Menschen. Studien zeigen seit Jahren, dass auch viele junge Menschen unter Einsamkeit leiden. Besonders auffällig: Während die Einsamkeitswerte nach der Corona-Pandemie in vielen Altersgruppen wieder gesunken sind, berichten Jugendliche weiterhin überdurchschnittlich häufig von Einsamkeitsgefühlen. Aktuelle Zahlen und Grafiken im weiteren Verlauf dieses Artikels stammen aus der Studie der Vodafone-Stiftung „Generation einsam?“ aus dem Februar 2026.
Jugendliche und Einsamkeit werden selten zusammen gedacht
Genau hier setzt das Projekt „Mitmachen verbindet“ an. Das bundesweite Modellprojekt der Malteser richtet sich an Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren und wird im Rahmen des Kinder- und Jugendplans des Bundes gefördert. In der Region Paderborn koordiniert Lara Köhncke die Angebote.
„Viele Menschen denken bei Einsamkeit zunächst an Seniorinnen und Senioren“, sagt sie. „Dabei zeigen aktuelle Studien deutlich, dass auch Jugendliche stark betroffen sind.“ Gründe dafür können vielfältig sein: soziale Unsicherheiten, Probleme in Schule oder Familie, intensive Social-Media-Nutzung oder fehlende stabile Beziehungen.
Gemeinschaft entsteht beim Mitmachen
Der Ansatz des Projekts ist bewusst niedrigschwellig. Statt Jugendliche direkt mit dem Thema Einsamkeit anzusprechen, stehen gemeinsame Aktivitäten im Mittelpunkt.
So fanden in den vergangenen Monaten unter anderem Quizabende, Kochaktionen, Filmabende und Mitmachangebote bei lokalen Veranstaltungen statt. Dabei geht es nicht darum, ein Problem zu benennen, sondern Begegnungen zu ermöglichen.
Beim gemeinsamen Kochen wird geplant, abgestimmt und zusammengearbeitet. In Teams treten Jugendliche bei Quizrunden gegeneinander an. Nebenbei entstehen Gespräche, neue Bekanntschaften und manchmal sogar Freundschaften.
„Natürlich wirkt das erst einmal wie ein netter Abend“, sagt Lara Köhncke. „Aber dahinter steckt viel. Die Jugendlichen erleben Gemeinschaft, lernen neue Menschen kennen und können Interessen entdecken oder weiterentwickeln.“
Einsamkeit ist nicht immer sichtbar

Eine wichtige Erkenntnis aus dem Projekt: Einsamkeit lässt sich nicht von außen erkennen.
Viele Jugendliche bewegen sich täglich in Klassen, Vereinen oder Gruppen. Trotzdem kann das Gefühl fehlen, wirklich dazuzugehören oder Menschen zu haben, mit denen man persönliche Sorgen teilen kann. Gerade diese emotionale Dimension von Einsamkeit wird häufig übersehen.
Auch die wissenschaftliche Begleitung des Projekts bestätigt die Bedeutung des Themas. Befragungen zeigen, dass viele Jugendliche Einsamkeit als weit verbreitet unter Gleichaltrigen wahrnehmen.
Gleichzeitig bleibt das Thema mit Scham besetzt. Deshalb verzichten die Verantwortlichen bewusst darauf, ihre Veranstaltungen als „Angebote gegen Einsamkeit“ zu bewerben. Stattdessen laden sie zu Aktivitäten ein, die Jugendlichen Spaß machen und Begegnungen ermöglichen.
Kooperationen als Schlüssel zum Erfolg

Ein wichtiger Erfolgsfaktor sind bestehende Netzwerke vor Ort. In Borchen arbeitet das Projekt eng mit dem Haus der Offenen Tür zusammen. Dort bestehen bereits Kontakte und Vertrauensverhältnisse zu den Jugendlichen.
Für Lara Köhncke ist klar: „Man muss nicht alles neu erfinden.“ Viel wichtiger sei es, vorhandene Strukturen zu nutzen, mit Schulen, Jugendtreffs, Gemeinden und anderen Trägern zusammenzuarbeiten und gemeinsam Angebote zu entwickeln.
Was andere Projekte lernen können
Aus den bisherigen Erfahrungen zieht die Projektkoordinatorin mehrere Erkenntnisse:
- Vertrauensaufbau braucht Zeit.
- Angebote sollten sich an den Interessen der Jugendlichen orientieren.
- Zusammenarbeit mit lokalen Partnern erleichtert den Zugang zur Zielgruppe.
- Kleine erste Schritte sind oft erfolgreicher als große Programme.
- Das Thema Einsamkeit bei Jugendlichen braucht mehr öffentliche Aufmerksamkeit.
Wer Angebote für junge Menschen schaffen möchte, sollte deshalb zunächst zuhören, Interessen erfragen und Beziehungen aufbauen.
Mit kleinen Begegnungen gegen Einsamkeit

Wie es mit „Mitmachen verbindet“ weitergeht, hängt von einer möglichen Anschlussfinanzierung ab. Die Hoffnung ist groß, die gesammelten Erfahrungen künftig an weiteren Standorten einzubringen und zusätzliche Materialien für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zu entwickeln.
Zum Abschluss formuliert Lara Köhncke einen Wunsch, der gut zum Anliegen von „7 gegen Einsamkeit“ passt: Menschen, die Ideen für Gemeinschaftsangebote haben, sollten den Mut haben, sie umzusetzen. Auch wenn der Anfang manchmal mühsam sei, lohne sich der Einsatz.
Denn jede Begegnung kann ein erster Schritt sein. Und manchmal beginnt Gemeinschaft genau dort, wo Menschen einfach gemeinsam kochen, spielen oder miteinander ins Gespräch kommen.

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